Das ADOXAR „Achtzehn-Null-Siebzehn“

ADOXAR mit "eingebauter Sonnenblende"
ADOXAR mit „eingebauter Sonnenblende“

Beim Lesen alter Anzeigen aus den 1950er Jahren, die für die Anschaffung einer ADOX Golf Kamera warben, wird sich vermutlich der eine oder andere über die merkwürdig klingenden Vorzüge dieser Kameras wundern. Da ist von „Schnappschußeinstellung“ und „eingebauter Sonnenblende“ die Rede.

 

 

ADOX Golf mit "Schnappschußeinstellung" und "eingebauter Sonnenblende"
ADOX Golf mit „Schnappschußeinstellung“ und „eingebauter Sonnenblende“

Beworben wurden damit die ADOX Golf Kameras mit ADOXAR. Tatsächlich wird jeder der mit der ADOX Golf 63, Golf 63 S oder der Golf 45 S vertraut ist zustimmen, dass die Objektive mit der tief nach innen versteckten Frontlinse selbst wie eine Sonnenblende funktionieren. Die Sonnenblende ist also schon „eingebaut“. Das ist eigentlich ziemlich clever, auch wenn man zuerst denken mag, dass das ebenso lediglich eine Marketingerfindung sein könnte, um die sparsam ausgestattete „Volkskamera“ aufzuwerten.

Eine Kamera die mir jetzt in die Hände fiel lässt mich aber vermuten, dass man das Objektiv tatsächlich sehr bewusst in die Richtung Sonnenblende entwickelt hat. Denn es sieht ganz danach aus, als hätte man die ersten Golf 63 noch ohne die „eingebaute Sonnenblende“ verkauft.

Berücksichtigt man, das ca. 85 % aller ADOX Golf mit einem ADOXAR ausgestattet sind, wird der Anblick einer ADOX Golf mit der versenkten Optik zum gewohnten Bild. So kann man relativ leicht eine ADOX Golf mit Steinheil Cassar erkennen. Einfach weil sie vom gewohnten Bild abweicht.

ADOX Golf 63 S und ADOX Golf 63
ADOX Golf 63 S (ADOXAR Nr. 53988) und ADOX Golf 63 (ADOXAR Nr. 18017)
ADOXAR Nr. 18017
ADOXAR Nr. 18017

Vor einer Woche habe ich bei einer Online-Auktion eine ADOX Golf entdeckt, die erheblich vom gewohnten Bild abwich. Das Objektiv sah merkwürdig aus. Aber ein Cassar war es auch nicht. Ich musste schon mehrmals hinsehen um zu glauben was ich sah. Immer wieder schaute ich mir die Bilder an. Aber alle Fotos zeigten eine ADOX Golf 63 ohne „eingebaute Sonnenblende“. Die äußeren Chromteile des Objektivs sahen aus wie bei jeder anderen Golf 63. Die Frontlinse saß aber sehr weit vorn. Die Beschriftung des Objektivs stand fast waagerecht zum Betrachter und verschwand nicht in der Neigung der Sonnenblende wie sonst.

Die Seriennummer des ADOXAR ist 18017 und damit ist diese ADOX Golf 63 eine der ersten ihrer Art. In meiner Liste registrierter ADOX Golf mit ADOXAR steht sie momentan an fünfter Stelle (von 500 Adoxaren). Die Zählung der Objektive der Firma Will aus Wetzlar mit der Bezeichnung ADOXAR begann vermutlich bei 10000. Zwei der vier Kameras mit den niedrigeren Objektivnummern kann ich leider nicht untersuchen. Die beiden anderen besitzen aber ebenfalls das flache ADOXAR.

Unterschiedliche ADOXARE
1) ADOXAR Nr. 18017   2) ADOXAR Nr. 53988   3) ADOXAR Nr. 158198   4) ADOXAR Nr. 428516 (1:4,5)
ADOXARE-2
1) ADOXAR Nr. 18017    2) ADOXAR Nr. 53988    3) ADOXAR Nr. 158198    4) ADOXAR Nr. 428516

Das ADOXAR 1:4,5 einer Golf 45 S zeige ich hier nur zum Vergleich. Natürlich unterscheidet sich dieses Objektiv von den ADOXAREN 1:6,3 sowieso. Interessant ist aber auch, dass ich nebenbei noch feststellen konnte, dass sich auch die Objektive 2) und 3) leicht von einander unterscheiden. Der grundsätzliche Aufbau vom Rand des Objektivs bis zur Linse ist bei allen vier Objektiven – fast gleich. Zuerst kommt der Streifen mit der Beschriftung, dann Lichtbrechungsrillen und normalerweise noch ein schmaler glatter Streifen bis zur Linse.

Zunächst sieht man bei genauerer Betrachtung, dass für die Beschriftung auf Objetiv 2) nur sehr wenig Platz ist. Der Streifen der für die Beschriftung vorgesehen ist, ist sehr schmal. So dass die Schrift direkt am inneren Rand anstößt. Bei Objektiv 3) ist mehr Platz für die Schrift. Die Anzahl der Brechungsrillen ist bei allen vier Objektiven unterschiedlich. Der innere Streifen der die Linse bei Objektiv 2) und 3) umfasst ist bei diesen ADOXAREN ebenfalls unterschiedlich breit.

Die Tatsache, dass die vordere Sammellinse beim ADOXAR 18017 größer und weiter vorne angeordnet ist, bedingt auch eine andere Dimensionierung der hinteren Sammellinse. Öffnet man die ADOX Golf und vergleicht die innere Sammellinse so wird auch hier der Unterschied deutlich. Die Parameter des Objektivs waren zwar vor der Weiterentwicklung die gleichen wie die der allgemein bekannten ADOXARE, jedoch wurden wohl andere Linsen verwendet.

Innere Sammellinse des ADOXAR Rechts) ADOXAR Nr. 18017 links) ADOXAR Nr. 158198
Innere Sammellinse des ADOXAR in der ADOX Golf
Links) ADOXAR Nr. 18017    Rechts) ADOXAR Nr. 158198

Die ADOXARE wurden also ständig weiterentwickelt. Aber das bemerkenswerteste ist, dass man 1954 offensichtlich mit einem Objektiv startete, das zunächst nicht über die später beworbene „eingebaute Sonnenblende“ verfügte. Und offensichtlich wurden diese Objektive nur kurze Zeit in den ADOX Golf Kameras verbaut. Die Kameras mit diesen Objektiven dürften deshalb heute relativ selten sein.

In der Bedienungsanleitung für die Golf 63 von 1954, also dem Jahr ihrer Einführung, kann man ebenfalls deutlich die sehr weit vorn stehende Linse erkennen und den flachen Ring mit der Beschriftung. Die Nummer des abgebildeten ADOXAR ist 13994.

Die ersten ADOXARE in der Bedienungsanleitung für die Golf 63 von 1954
Die ersten ADOXARE in der Bedienungsanleitung für die Golf 63 von 1954

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal dieses ersten ADOXARs ist die Beschriftung des Objektivringes zur Entfernungseinstellung. Man könnte meinen, dass da etwas ziemlich schief gegangen ist. Die Entfernungsmarken 10m, 20m und Unendlich stehen zu dicht nebeneinander. Das hat man aber vermutlich mit Einführung der „eingebauten Sonnenblende“ korrigiert.

Links) Zu eng stehende Entfernungsmarken Rechts) die korrigierte Version wie wir sie heute kennen
Links) Zu eng stehende Entfernungsmarken 10, 20 und ∞
Rechts) Die korrigierte Version wie sie allgemein bekannt ist

 

ADOXAR mit Einteilung in Feet
ADOXAR mit Einteilung in Feet

Erwähnenswert an dieser Stelle ist vielleicht noch, dass die Beschriftung des Objektivringes der Exportversionen, welche in Feet eingeteilt waren, noch größere Probleme bereitet hat. Für die Anordnung von 20, 30, 60 feet und dem Unendlichzeichen, war der Durchmesser des Objektivringes einfach zu klein.

 

Und der Vollständigkeit halber sei hier noch abschließend erklärt was es mit der so genannten „Schnappschußeinstellung“ auf sich hat. Ich zitiere hier aus der Bedienungsanleitung:

„Ganz einfach: Abblenden auf Blende 11 und Entfernung einstellen auf den roten Punkt zwischen 2,5 und 3 m, dann wird alles scharf zwischen 2 und 4 m. Wenn Sie bei Blende 11 auf den roten Punkt einstellen, der zwischen 6 und 10 m liegt, wird alles scharf von 4 m bis unendlich. Das ist doch wirklich nicht schwer, da muß einfach jeder Schnappschuß gelingen.“

Die Schnappschusseinstellung sind also genau genommen zwei rote Punkte auf dem Objektivring zur Entfernungseinstellung. Aber Schnappschußeinstellung klingt einfach besser.

Interessiert Sie die ADOX Golf? Dann lesen Sie doch auch meinen umfangreichen Artikel „Die ADOX Golf – neu betrachtet“.

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Ein Gedanke zu „Das ADOXAR „Achtzehn-Null-Siebzehn““

  1. Hallo Herr Spengler!
    Ich habe hier bei mir eine ADOX Golf Vario, die ich nicht mehr brauche.
    Schreiben Sie mir doch bitte eine email.
    Ich würde sie Ihnen gerne überlassen.
    Grüße, S.Wessel.

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